Mittwoch, 26. Mai 2010

Seltsame Erklärungen

Früher, an der Uni, da gab es einen Witz unter uns Physikern (in spe): Wir sind zeitlich und räumlich verschmiert. Ist er pünktlich, weiss er nicht, wo er ist, und ist er da, dann niemals pünktlich. Der Beobachtungsgegenstand (die Quantenmechanik) hat auf den Beobachter abgefärbt - auch das ist Quantenmechanik.

Seltsamerweise kam diese Erklärung gerade bei der anderen Hälfte der Menschheit niemals sehr gut an, was vielleicht die Nachwuchsschwierigkeiten unter den Physikern erklären könnte.

Die Jahre vergehen, aber manches bleibt doch wie es schon immer war. Zum Beispiel sitze ich vor meinem Kalender und möchte den Termin des legendären Grillfests der Arge Festak (PR-Club Nürnberg) eintragen, der ob des obligatorischen Schokoladenbrunnens vorallem bei unserem Nachwuchs für Begeisterung sorgt - um festzustellen, dass der Termin nicht im Juni sein wird, sondern bereits im Mai war.

Tja, Leute. Danke für die Einladung. Mea culpa. Das kostet wohl eine Runde beim nächsten Stammtisch in Nürnberg. Ich verkneife mir die lahmen Entschuldigungen. Aber nächstes Jahr, nächstes Jahr wird alles besser.

Dabei hätte ich sogar die eine oder andere klitzekleine Neuigkeit im Gepäck gehabt.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Kriegstrommeln

"Dam tam, tada Dam", macht mein alter Freund Klaus - Klaus Bollhöfener - und wedelt mit den Armen. Kriegstrommeln. Es geht um Kriegstrommeln. Um Filmmusik, um Hollywood-Scores.
"Das wäre dann ja wohl Hans Zimmer", erwiedere ich, ein klein wenig angenagt (siehe unten) und nippe an meinem Gerstensaft: "Pirat der Karibik. Schon mal sein Studio gesehen? Nein? Weist Du, wieviel Hans Zimmer kostet?"
"Tadaa daa ... Gefühle, sage ich! Gefühle - auf den Punkt gebracht! Nicht breit getreten. Da DAAA! Studios? Alles nur Ausreden."

Die Perry Rhodan-Cons sind immer eine willkommene Auszeit für mich, fern ab meines doch eher spröde-technischen Alltags. Ganz andere Menschen, ganz andere Arbeitsweisen; ich lerne jedesmal etwas dazu, auch deshalb gehe ich so gerne hin. Zum Beispiel, wie wichtig es ist, Dinge auf den Punkt zu bringen.
"Auf den Punkt. Das ist die Kunst", sagt mein Freund Klaus.
Recht hat er.

Wie so oft dreht sich das Gespräch darum, den Held unser beider Kindheit namens Perry Rhodan vom Papier auf die Leinwand zu hieven. Um das immense Potential mancher Fans im Bereich Video - Raimund Peter beispielsweise, dessen Arbeiten (wie das Video zum Perry Rhodan Zyklus "Negasphäre") mich regelmäßig vom Hocker hauen. Aber Klaus, ganz Medienmann, hat einen sehr, sehr pointierten Blick - "Da TAAA!" - was ihn zum inspirierenden Antagonisten mutieren lässt (für Stiere: ein rotes Tuch).

Ich mache ja keine Videos, also kann ich ganz beruhigt mitreden. "Set-Designer", leiere ich, einen Becher Gerstensaft in der Hand, die Liste der Talente herunter, die man in einem einzigen Menschen vereinigten müsste, um George Lucas wirklich Konkurrenz zu machen: "Computer Animation Specialists, Regisseur, Produzent, Cutter, Skript-Schreiber, Pre- und Post-Producer, Tonmeister, Kameramann, Geräuschemacher, Komponist, Score-Writer und Orchester und so weiter."

"Ach Quatsch!" kontert mein Freund Klaus: "Auf den Punkt muss es gebracht werden! Du", sagt er, und ja, es war auch Bier im Spiel: "machst doch auch immer nur so langweilige Musik. Fahrstuhlmusik."
"Bin ja auch nicht Hans Zimmer!" grummle ich, aber der Stachel sitzt.
"Ach was. Ist das ein Grund?"

Tja. Da hat er mich. Mangelndes Talent ist ein Grund - aber "es ist ja nur ein Hobby" rechtfertigt selbstverständlich kein Totalversagen. Und über dieser Einsicht reift im weiteren Verlauf des Abends ein höchst bierseliger Entschluss: Battlerstar Galactica - was für ein irrer Opener! Den Score kann man heraushören, alles kein Problem. Und zu Hause steht ein PC, mit Cubase (SE, was bedeutet, dass die Effekte nicht die allerbesten sind) und ein Yamaha Motif. Ein echt piip Teil. Eine Music-Workstation! Wenn da der Name nicht Programm ist! Streicher, Hörner - typisch Fimscore von heute -, alles da ...

Dann geht's los: Ein EMail-Austausch mit Raimund, ob er sich vorstellen könne, Bildmaterial aus seinem Negasphäre-Video für ein Experiment freizugeben. Der Erwerb von "Voices of Passion", einem wahnsinnigen Plugin (für Laien: Software-Synthesizer) für weibliche Stimmen. Und so weiter ... Viele Cut-Versuche (auch so ein Thema), viel hin und her, und einiges an Arbeit - Score heraushören, die Harmonien verändern, eine andere Lead-Melodie, Kriegstrommeln aus Quantum Leaps "Stormdrums 2", die im BSG-Stil gehalten sind, aber eben keine einfache Kopie, ein Vorspann, ein klein wenig Handlung (um den Opener komplett zu machen) und dann rein zu YouTube.



Jetzt hat das kurze Video die 1000 Hits geschafft, und zwar ganz ohne Werbung. Und meine Hochachtung vor Hans Zimmer und Bear McCreary ist ein riesiges Stück gewachsen. Aber ich hab's probiert.

Allerdings höre ich nun manches mit anderen Ohren - Bear McCreary benutzt tatsächlich "Voices of Passion" - ganz charakteristische Phrasen kommen bei BSG immer wieder vor. Nur klingt es bei ihm ganz, ganz anders: Mischer, verlängert sich die Liste, Mastering-Ingenieur ...

http://www.youtube.com/user/calipher14