Sonntag, 4. Juli 2010

Altersvorsorge

Heiß ist es heute, unerträglich heiß. Ich verstecke mich im Schatten eines ziemlich knorrigen Apfelbaums und blättere im heutigen Posteingang herum. Phantastisch! Nr. 39 und SOL Nr. 59 sind darunter, im Doppelpack - das verspricht interessanten Lesestoff. Für beide Magazine durfte ich in der Vergangenheit das eine oder andere Stückchen Text beisteuern - ist diesmal etwas dabei (die Redaktion teilt mir das nicht immer vorher mit)? Ja! Die SOL enhält eine Kurzgeschiche von mir. Sie trägt den Titel "Altersvorsorge" und entstand an einem ähnlich heißen Tag vor fast genau einem Jahr. Gegenstand ist ein Zukunftsszenario, das meiner Meinung nach nicht so abwegig ist, wie es zunächst klingen mag - die notwendige Technologie rückt es beständig näher, und gesellschaftlich ... nun, wenn manch einer könnte, wie er wollte ... Ursprünglich hatte ich das Thema für die Wissenschafsrubrik von Phantastisch! vorgemerkt, aber dann, ganz plötzlich, entstand daraus diese kurze Geschichte über ein Exoskelett und eine Frau, die ...

Nein, mehr verrate ich nicht.
Die ganze Sache wollte sofort niedergeschrieben werden; das waren zwanzig hektischen Minuten an einem heißen Tag. "Altersvorsorge" ist übrigens meine bislang achte Kurzgeschichte für die SOL - und, was mich besonders freut, die erste ganz ohne jeden Bezug zu Perry und Co. Nur, dass sie etwas zu meiner Altersvorsorge beiträgt, das bezweifle ich doch sehr ...

 

Altersvorsorge (Auszug)


„Sind sie sicher?“
„Absolut. Ein Spitzenmodell.“
Ich betrachtete das glänzende, zu einem Haufen von Gestängen, Servomotoren und künstlichen Muskeln zusammengesunkene Gebilde. Eigentlich habe ich ja eine Abneigung gegen Spinnen und anderes Getier mit zu vielen Beinen und zu wenig weichem Fell, doch waren es nicht die Assoziationsketten in Richtung niederer Kerbtiere, die mir ein schwerfälliges Kopfschütteln entlockten, sondern die aufdringlichen Chrombeschläge.
„Selbstverständlich wird die Halsmuskulatur ebenfalls unterstützt!“ sah sich mein Gegenüber zu einer Erläuterung herausgefordert.
„Das ist es nicht.“
Behaupten sie ruhig, ich hätte eine allzu weiche Seele – das habe ich! –, denn ich tätschelte beruhigend die Hand des Verkäufers, jung und glatt und so viel hübscher als die meine. „Glauben sie mir, ich hege keinerlei Zweifel an der Qualität und Eignung des von ihnen vorgeschlagenen Produktes. Es liegt nur am Finish. Ist mir ein wenig zu … auffällig.“
Mein Blick huschte durch den Raum – langsam, viel langsamer als in meiner Blütezeit, und ich fragte mich zum x-ten Mal, wie mir das, was ich mittlerweile als „Phasenübergang“ bezeichnen möchte, eigentlich so lange hatte verborgen bleiben können – kurz: in welcher Scheinwelt hatte ich nur gelebt? Was hatte mir meine Innenansicht noch alles vorgegaukelt, ehe ich sie als jene groteske Verzerrung der Realität entlarvte, die sie war? Warum war mir die Veränderung in meinem Umfeld nicht aufgefallen, speziell die Vorteile nicht, die sich daraus für jemanden wie mich ergeben konnten?
...

Magazin SOL - zu beziehen über http://www.prfz.de/ oder über http://www.ahavemann.de/

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