Montag, 12. Juli 2010

Höhenflüge

Manchmal gibt es Ideen, die irgendwo auf dem Weg vom Expokraten (welch handlicher Begriff!) zum Autor leider etwas an Charme verlieren. So erging es mir auch mit einer Szene im 1. Band von ATLAN MONOLITH: "Planet der Silberherren". Atlan und Santjun müssen auf besagten Planeten hinunter - natürlich in aller Heimlichkeit, denn wo Atlan persönlich in Erscheinung tritt, da zittert jeder Bösewicht, und alle kriminellen Machenschaften kommen schlagartig zum Erliegen, was nicht gerade spannungsförderlich ist. Aber wie soll das geschehen? Ihnen steht ein Kreuzer zur Verfügung, 100 Meter groß, außerdem eine winzige Space-Jet und sogar ein klassischer Raumjäger (wir schreiben das Jahr 3112 alter Zeitrechnung, was es mir erlaubt, mit der Technik meiner persönlichen PR-Hochzeit zu spielen). Rein handlungstechnisch gesehen bietet sich natürlich ein verdeckter Anflug im Planetenschatten sowie ein rasches Landemanöver an, wie in der klassischen Serie des Öfteren geschildert.

Aber genau das stieß mir auf. Außerdem hatte ich Atlan bewusst auf ein einziges 100-Meter-Schiff beschränkt und musste mit den Beibooten haushalten, von denen man ja nicht allzu viele in eine so kleine Schiffszelle packen kann (die Risszeichnungen von R. Zengerle lassen da leider kaum Spielräume). Und Atlan würde das wenige Material noch dringend benötigen ... Dumm nur, dass die zum Gegner übergelaufenen USO-Agenten unten auf Thanaton zuallererst die geheime Transmitter-Verbindungen kappten, um sich ihren Dienstherren vom Hals zu halten ...

Da entstand vor meinem inneren Auge das Bild zweier Kampfanzüge, die, von glühenden Plasmafahnen umgeben, in Thanatons Atmosphäre eintauchen. Schillernde Schutzschirme, wütende Böen aus Feuer - das müsste doch funktionieren! So gleiten nur Helden zu Boden, Helden mit einem ernsten Auftrag ...

Uwe Anton gefiel die Idee nicht so sehr wie mir, weshalb sie auch im fertigen Roman nicht gerade viel Platz einnimmt. Das ist schade, denn zum einen stammt sie von der NASA, die in den 60er Jahren (des vergangenen Jahrhunderts ...) tatsächlich über derartige Rückkehrsysteme für einzelne Astronauten nachdachte - Bremsrakete, Hitzeschutzschild und ein Fallschirm, wenn man so möchte -, und zum anderen bereitet sich der Abenteuerer Felix Baumgartner derzeit auf einen Sprung aus 40 Kilometern Höhe vor. 40 Kilometer Höhe zählen zwar noch nicht zum Weltraum, aber diese Unterscheidung ist eher eine Formalie als ein Garant für das Überleben, sollte der Helm offen stehen.

Es wird sicher ein spektakulärer Ritt, so ganz ohne Kapsel aus den oberen Atmosphärenschichten zu Boden zu segeln, zu beobachten, wie die Erde von einer Kugel zur Scheibe wird, zu einem Mosaik aus Braun- und Grüntönen, zu harten Felsen, die vermutlich wahnsinnig schnell größer werden - ganz so, wie es Atlan und Santjun in "Planet der Silberherren" erlebten (oder ein paar Raumkadetten in Larry Niven/Jerry Pournelle: "Der Splitter im Auge Gottes", denn es gibt nichts Neues mehr in der Welt).

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