Mittwoch, 13. Oktober 2010

Verwirrung um die Nachbarn

Kann es tatsächlich Leben auf Gliese 581g geben - dem ersten erdähnlichen Planeten, der je in der bewohnbaren Zone um eine Sonne entdeckt wurde (mit Ausnahme der Erde natürlich)? Hat uns von dort tatsächlich schon vor zwei Jahren ein kurzer, intensiver Lichtpuls erreicht, wie der Astronom Ragbir Bhanthal vor wenigen Tagen meldete? Es wäre eine rasche Folge geradezu unglaublicher Entdeckungen, die unser Weltbild ...
Doch Halt. Die Frage lautet nicht, ob auf Gliese 581g Leben existiert, oder vielleicht sogar intelligentes Leben, sondern vielmehr, ob der Planet existiert oder nicht. Die Entdeckung von Gliese 581g geht auf langjährige Messungen am HIRES-Experiment am Keck-1 Teleskop sowie dem HARPS-Experiments des La Silla-Teleskops zurück. Doch hier geht es keineswegs um optische Bilder des Planeten (mitsamt Meeren und Gebirgen, wie Darstellungen in der Presse vermuten lassen), sondern um große, über Jahre gesammelte spektroskopische Datensätze, denen man anschließend mit statistischen Methoden zu Leibe rückt. Ausgerechnet die Wissenschaftler des HARPS-Experimentes behaupten jetzt jedoch, in ihren Daten keine Spuren von Gliese 581g finden zu können.
Was nicht bedeutet, dass es Gliese 581g deswegen nicht gibt. Man ist sich lediglich darüber nicht mehr einig.
Was wieder einmal ein bezeichnendes Licht auf die Gefahren der indirekten, statistischen Datenanalyse wirft. "Wer misst, misst Mist", pflegte mein Professor immer zu sagen, und, ja, er hatte Recht damit. "Ungezielte" Messungen und nachfolgende, statistische Auswertung sind immer eine sehr, sehr, sehr gefährliche Sache - ob es nun um fremde Planeten geht, das Klima, das Wetter oder - sehr weit verbreitet - Studien zu soziologischen Themen.
Immerhin streiten sich die Astronomen nun öffentlich, und mit allen Daten auf dem Tisch