Donnerstag, 15. September 2011

Verrücktes Zeugs der Gegenwart Teil 5 - Handys

Es ist spät. Allmählich reichlich spät sogar, wenn ich bedenke, dass ich um 5 Uhr aufstehen und mich zum Bahnhof bewegen muss, um mich in das Mekka des Elektromobilitätsgedönses dieser Tage zu begeben, ganz sachlich selbstverständlich und mit Krawatte. Und was tue ich? Seit 2 1/2 Stunden beobachte ich mein funkelniegelnagelneues Handy dabei, wie es versucht, den neuesten Sicherheitsupdate aufzuspielen, wohlgemerkt am Tag 0.2 seit Erhalt durch die Hand unseres versierten Handy-IT-Experten, der sein Bestes getan hat, um in kürzester Zeit all unsere Wünsche zu erfüllen (es kam eine ganze Wagenladung dieser Dinger an, kurz vor "Dienstschluss", und wie der Teufel so will, begibt sich die praktisch komplette Wagenladung der ehrfurchtsvollen Neubesitzer, allesamt eher von der "ich manage-das-jetzt-mal-aus-dem-Weg ... Bitte"-Riege, mit mir auf besagte Dienstreise und "wollte die Zeit im Zug nutzen, um mit diesem neumodischen Zeugs zu üben" - Zitat des Kollegen: "Keine Hektik, machen Sie einfach meines zuerst fertig). Dazu gehören natürlich Internet, Geo-Dienste, Mails abrufen, "wo photographiert man da eigentlich" und die ganze Liste moderner Features, ohne die der Mensch einfach nicht mehr existieren kann. Zwar residiert das Ding noch in der Tasche, aber das allgewaltige Wikipedia ist nun jederzeit verfügbar, wenn man sich denn telefonierenderweise und blind für die Umwelt verlaufen hat und plötzlich irgendwelche Fossilien identifizieren will, während der Routenplaner den Fußweg von hier nach Brake berechnet (das ist bei Bremerhaven, sollte das jemand wissen wollen. Es sind viele, viele Stunden). Wir leben wirklich im Zeitalter der Information, auch wenn diese Information noch mit gespitzem Fingern über Touchpads eingegeben werden will, und das Herauslesen wichtiger Fakten mich mittlerweile zum Gebrauch einer achaischen Brille zwingt (wo sind die hauchdünnen Gebilde aus nanometerdicken metamaterialien, die mir die Physikalischen Blätter seit Jahren versprechen? Wo die direkte Eingabe von Informationen in das Seh- oder sonstwas-Zentrum; ah, darüber müsste ich mal wieder einen Artikel schreiben, das ist ein spannendes Thema)? Aber die Zukunft beginnt, und sie ist bunt und verspielt und hat 6GB Speicher eingebaut. Aber was ist, wenn wir eines nicht so fernen Tages ganz kurz vor der Singularität stehen, in der wir dann mit unserer gewaltigen Rechnerkapazität verschmelzen, um uns zu posthumanen Formen aufzuschwingen - und dann mit den doch noch nicht ganz beseitigten Kehrseiten der Technik konfrontiert werden? Dauert es dann auch etliche Stunden, nur um den einen, ganz wichtigen Update auszuführen, der unerwartet zwischen einem selbst und seiner Lieblingsmusik steht? Das wäre mal was für SF: Technikversagen auf elementarster Ebene, ein hyperaktives Superhirn, abgeschnitten von der Kommunikation, und außerdem von jedwedem Wikipedia ... nur weil Zune den Update vermasselt hat. Naja, ich werde schon mal im Vorgriff müde, denn das ganze dauert hier wohl noch Stunden, und ich darf laut Bildschirmaufschrift dieses flache, schwarze Ding bis zum finalen "Ping" nicht einmal mehr anrühren - an Schlaf ist da nicht zu denken. Die Technik schreitet auf chiesischen Füßen voran - aber wohin genau?
Oh, es hat "Ping" gemacht.
Und"Wrrt Wrrrt Wrrrrt".
Na denn ...

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