Donnerstag, 22. März 2012

Verrücktes Zeugs der Gegenwart Teil 13: Survival of the Fittest

Mit diesem Thema habe ich mich schon das eine oder andere Mal beschäftigt: Leben an Orten, an denen man kein Leben erwarten würde. Dazu gehören hermetisch isolierte Felsschichten, tausende Meter unter der Oberfläche Südafrikas, die Abklingbecken nuklearer Friedhöfe in Amerika, oder heiße Quellen, aus denen bunte Säure sprudelt. Vielleicht liegt es ja an der nahen Universität Regensburg, wo Karl Stetter, heute emeritiert, seine Extremophilen erforschte - oder auch nur an der Vorstellung, dass Lebensformen an extremsten Orten der Erde möglicherweise etwas über die Wahrscheinlichkeit aussagen, mit der Leben auch auf anderen Planeten existieren könnte.Nun gibt es einen weiteren Eintrag in die lange Liste lebensfeindlicher Orte, um deren Lebensfeindlichkeit sich das Leben nicht sonderlich schert: Das Innere eines laufenden Raster-Elektronenmikroskops. Dieser Ort weist physikalisch bedingt zwei durchaus unangenehme Eigenschaften auf. Da wäre zum einen die harte Elektronenstrahlung - darin besteht ja der Sinn der Anlage, Zielobjekte mit Elektronen zu bombardieren, um faszinierende Einblicke in den Mikrokosmos zu eröffnen. Und zum anderen das durchaus harte Vakuum. Zusammen machen sie allen lebenden Wesen den Garaus.

Bis heute. Bis Yasuhito Ishigaki von der Medizinischen Universität von Kanazawa eines Morgens in seinem Rasterelektronenmikroskop ein paar Zecken entdeckte, und beschloss - Zecken sind ja nicht gerade die beliebtesten Zeitgenossen - einmal nachzusehen, wie es den kleinen Mistdingern im laufenden Betrieb der Anlage ergehen würde.

Wie sich herausstellte, wunderbar. Was uns die ersten Aufnahmen von lebenden Wesen unter einem Raster-Elektronenmikroskop einbrachte, und anscheinend handelt es sich dabei nicht um eine Fälschung oder einen Aprilscherz. Jetzt wissen wir, wie es aussieht, wenn uns im Sommer die Zecken attackieren. (Weitere Informationen: www.popsci.com)

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