Samstag, 26. Mai 2012

Der Drache ist am Ziel

Dragon am Roboterarm der ISS (C) NASA
"Wir haben den Drachen am Schwanz gepackt" - Zitat der Besatzung der internationalen Raumstation ISS, als der Roboterarm am Raumtransporter "Dragon" der Firma SpaceX angekoppelt hatte.
Dazu musste sich "Dragon" exakt an der richtigen Position befinden, was auch wunderbar funktionierte, obwohl ein solches Manöver im Orbit deutlich schwieriger ist, als man sich das normalerweise vorstellt, denn ISS und Raumtransporter umkreisen die Erde nicht etwa auf der gleichen Umlaufbahn, sondern "untereinander" auf leicht unterschiedlichen Umlaufbahnen mit spezifischen Geschwindigkeiten.
Von da an war es Sache der ISS, den Transporter am Roboterarm zu drehen und die Kopplung durchzuführen. Dieser Vorgang des "Berthings" (nicht "Dockings", wie es die russische Sojus durchführt) glückte. Nach einer weiteren Überprüfung aller Systeme wurde schließlich die Verbindungsschleuse geöffnet - und die Astronauten und Kosmonauten der ISS berichteten von einem Geruch "wie von einem brandneuen Auto".
Der Drache hat es also vollbracht: Der Start gelang, die vielen neuen Systeme für den Einsatz im Orbit - Solarzellen, Navigation, Steuerung, Manöverführung, automatische Überwachung, Laser-Radar, Funkverbindung zur ISS usw. usf. - funktionierten alle fehlerfrei, und die ISS ist erreicht.
In den kommenden Tagen bleibt der "Drache" angedockt und wird entladen, bevor man ihn dann am 31.05.2012 mit neuer Fracht den Heimweg schicken wird.
Eine historische Leistung wurde hier vollbracht. Sollte nun auch noch das Ablegemanöver und die Rückkehr zur Erde fehlerfrei gelingen, hat SpaceX eine wirklich enorme Leistung vollbracht und die Messlatte für andere kommerzielle Anbieter wie die Orbital Science Corp. extrem hoch gelegt.
Wer Gelegenheit hatte, sich die Pressekonferenz kurz nach dem "Berthing" anzusehen, der wird nachvollziehen können, wie alle Beteiligten das bisher erreichte - und die außerordentliche Qualität dieser Leistung - einschätzen: Ein nahezu wortloser Elon Musk, eine ausgelassene Präsidentin Gwynne Shotwell und ein überglücklicher Alan Lindenmoyer, Programmdirektor der NASA im Jubelbad der SpaceX-Mannschaft: Das zu beobachten ist besser als jedes Motivationstraining.

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