Freitag, 27. September 2013

In der Neutralen Zone

"It's half past nine on Tuesday morning and still nobody has landed yet on Mars ..." singen Tangent im iPod (in Not As Good As the Book), und tatsächlich: Manch Jugendtraum blieb unerfüllt ("What happened to the future ... it is not as good as the book"), während andere auf unglaubliche Weise wahr wurden. Ein ganzes Orchester aus Synthesizern? - Cubase macht's möglich. Ein Science Fiction-Film voller Raumschiffe - Blender starten, und nur das eigene Talent ist das Limit.

Aber ein Abend in der neutralen Zone? Manches bleibt eben ein Traum.

Oder man begibt sich in die Scheinwelten von MMOG's - EVE beispielsweise. Was auf diesem Gebiet möglich wurde, ist schon faszinierend. Reiche aus Tausenden von Planeten lauern dort, Entdeckungen, Eroberungen, Siege und Niederlagen, und das alles in Echtzeit, verbunden mit Zehntausenden von Spielern auf der ganzen Welt, die einem unbedarften Neuling an den Kragen wollen oder ihm Tipps geben, wie man den Hals am Besten wieder aus der Schlinge zieht. Dort existiert eine ganz eigene Welt, in der sich tatsächlich Geschichte entwickelt und mit ihr Geschichten: Goonswarm Federation, so meldete das Internet, rückt nach Delve ein, um TEST (Test Alliance - Please Ignore) zu vertreiben, da ihre mondgestützten Minen keinen Ertrag mehr bringen. In der Folge kam es zu den vier größten Schlachten, die je in Pseudo-Realitäten geschlagen wurden und die es sogar in die reale Presse schafften: 4000 spielergesteuerte Raumschiffe im Gefecht miteinander, das war bis dato unvorstellbar. Oder die Feierlichkeiten zu Ehren des Anführers einer Allianz, der im realen Leben einem leider höchst fatalen Terrorakt zum Opfer fiel.

Die Frage "Is the comfort of the Slippers worth trading in for an evening in the Federation Neutral Zone" ist damit beantwortet - diese Spiele bieten irgendwie beides.

Darüber könnte man sich jetzt ellenlang auslassen (es gibt zum Beispiel ein köstliches Video darüber, wie eines der größten je in EVE von Spielern gebaute Raumschiff tatsächlich starb), aber das lasse ich besser, zumal die von Spielern geschaffene Backstory fast interessanter ist als das Spiel selbst

Irgendwie erheiternd fand ich jedoch die Tatsache, dass ich ohne meine Recherchen über EVE und ähnliche Spiele den Roman Du bist tot von Charles Stross wohl nur schwer hätte nachvollziehen können. Denn was sind NPC's? Was bedeutet PvP? Und wie sind spieleinterne Wirtschaftswelten (und die sind nicht nur in EVE wahrhaftig gewaltig) mit der Realität "draussen" verkoppelt?

So aber, mit einem gewissen Hintergrund und einem Grundverständnis dafür, welchen Wert ein "Amarr Faction Target Circuit Breaker" für einen Spieler haben kann, und dass man ihn besser in einer "Bank" aufbewahrt, weil man sonst zur Zielscheibe wird, ist es ein köstliches Buch. Geschrieben im Stil alter Abenteuer-Bücher (und damit den Vorläufern gewisser Computerspiele) erlaubt es Dir, Teil des Spieles zu werden. Du verstehst zwar nicht alles, was der einstige Software-Entwickler Stross da erzählt, aber es wird Dir klar, dass diese Branche Millionen, wenn nicht Milliarden an Wert bewegt, und deshalb weniger Spaß versteht, als Du geglaubt hast. Als Du dann auch noch Zeuge wirst, auf welche subtile Weise sich Spiel und Realität tatsächlich vermengen könnten, beginnst Du zu staunen ...

Also, solltest auch Du manchmal an der Gegenwart verzweifeln, die doch einmal Deine Zukunft war, so kannst Du jetzt A) Musik machen (weiter hier), B) einen Film rendern, bis George Lucas die Tränen kommen (weiter hier), C) mit EVE in die neutrale Zone reisen (weiter hier), D) Dir eine weitere gute Geschichte von Charless Stross reinziehen (weiter hier) oder E) einfach nur ein Bier trinken gehen. Oder die Slipper herausholen (weiter hier).

Denn Du Bist Noch Nicht Tot. Und hast deshalb eine Zukunft. Ganz egal, was auch immer Tangent da singt.


Blog-Musik: Tangent: Not As Good As the Book / God is an Astronaut: Worlds in Collision



Dienstag, 10. September 2013

E-Books, Irrtümer

Da dachte ich doch immer, das Schwierigste am Schreiben wäre das Schreiben ...
Dann dachte ich, das Zeug gedruckt zu bekommen, wäre die allergrößte Herausforderung ...
Dann dachte ich, E-Books würden den zweiten Punkt möglicherweise vereinfachen, wenn auch in immaterieller Form ...
Und schließlich dachte ich, E-Books wäre eine Art von High-Tech.
Jetzt denke ich: "Cogito - Ergo Nonsens". Naja, hoffentlich ist das kein schlechtes Omen.

Jedenfalls trage ich mich mit dem Gedanken, vielleicht doch einmal eines der herumliegenden Manuskripte "druckfertig" zu bekommen und mich auf das Gebiet des "Self-Publishing" zu wagen (warum, das ist eine andere Geschichte). Welches und wann ist natürlich noch nicht spruchreif, aber immerhin beschäftige ich mich ein klein wenig mit der - naja, der Begriff ist vielleicht etwas zu groß geraten: Technologie von E-Books, und wie man sie erstellt. Glücklicherweise gibt es ja Tools wie Calibre, die einem da weiterhelfen. Und es liegt sicher nicht an Calibre, dass man sich die Haare raufen möchte ob der selbstgestellten Aufgabe, nicht einfach nur Text zu liefern, sondern vielleicht auch noch das eine oder andere Schmankerl, wie z.B. einen schönen Font für die Überschriften (in diesem Fall den schlicht genialen Ethnocentric RG von Typodermic Fonts / Ray Larabie). Oder ein Bild. Oder beides.

Leute, dynamische Formatierungen mit Fonts, Bildern und Formeln und noch viel mehr konnte TeX schon vor 30 Jahren! Das geht heute in Echtzeit! Oder werden die Bits in E-Book-Readern etwa von kleinen Gnomen zum Bildschirm getragen, die zwischendurch immer ein Schläfchen halten müssen?

Naja, jedenfalls ist es nicht ganz so, wie ich dachte. Was man vorne reinsteckt ist nicht das, was man hinten herausbekommt.

Aber ich habe es geschafft! Testballon Teil 1, ganz ohne Desktop-Publishing und von Calibre als EPUB korrekt dargestellt:



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