Donnerstag, 26. Januar 2012

Nur ein Job

Eine "vergessene" Kurzgeschichte von 2003, die ich kürzlich auf der Festplatte gefunden habe. Da gibt es eine Stelle, die fast schon visionär ist ...

Nur ein Job


© Götz Roderer 2003


Das Problem war: Jerome hatte den Job. Nein, eigentlich hatte ich den Job – Jerome war es, der arbeitete. Das Appartement gehörte mir. Ebenso die Ausbildung. Und das Zertifikat. Jerome war nicht dumm, doch ohne Zertifikat ging eben nichts, also hatte ich den Job, und Jerome hatte die Arbeit.
Wo steckte der Kerl nur?
Die billige Sonnenbrille klarte langsam auf. Hinter mir ergoss die Sonne ihr grelles, scharfes Licht in die Straßenschluchten; es war heiß und stank nach Müll und gepantschtem Benzin. Vor mir erstreckte sich eine finstere Seitengasse mit einem Himmel aus verrotteten Balkonen, marode Sonnenzellen und armdicken Leitungsbündeln, an denen sie ihre Wäsche trockneten. Vorsichtig machte ich mich auf den Weg; die Aktienkurse, behauptete das Display der Brille, wären schon wieder gefallen, irgendein Krieg in Afrika oder so, nur der Ölpreis schoss wieder einmal hoch wie eine Rakete, aber ich wischte die Anzeige beiseite, denn augenblicklich hatte ich andere Probleme.
Nummer 17d, da war es. Ich starrte die Türe an – gab es hier keine Sensipads? Keine Fingerprint-Sensoren? Ich drückte die Klingel, und irgendwo in den Tiefen des baufälligen Blocks schrillte eine Glocke.
Jerome, Jerome. Das wird ein Nachspiel haben.
Eine dicke, alte Frau öffnete die Türe. Im Schatten hinter ihr verschwand eine jüngere, blitzende Beine in einem Blümchenkleid.
„Ich bin Archer. Wo ist Jerome.“
„Jerome ist nicht hier“, erwiderte sie schleppend.
„Was heißt, er ist nicht hier? Archer. Ich bin Archer. Klingelt was? Der, von dem das Geld stammt, verdammt. Archer! Hier, diese Hand füttert euch!“
Sie blickte auf meine Hand, auf die Finger, jeden einzelnen. Im Hintergrund raschelte es.
„Jerome nicht hier. Jerome fort.“
„Verdammt, ich brauche diesen Stick! Diesen M – E – M – O – S – T – I – C – K. Du verstehen? Nein? Kleines, silbernes Ding? Nein? Ich muß Jerome sprechen, sofort! Dieser verdammte Kerl!“
Sie starrte mich an wie eine Kuh. Hörte ich da etwas aus dem Hintergrund? Es klang fast wie ein Lachen. Kurz, aber silberhell.
„Jerome!“, schob ich die Alte beiseite. Wirklich, man hatte nur Ärger. Den ganzen Tag. All diese Verpflichtungen, die Termine, die Verträge, und nur Ärger, Ärger und wieder Ärger. TransDataCorp würde toben! – bestenfalls. Ein Sicherheitscode für die transkontinentale Übertragung von Firmendaten, custom-programmiert, chaotisch gegen Codeflow-Analysen geschützt, Abgabetermin – die Uhr in der Brille zeigte 13:11 Uhr. In einer knappen Stunde also. Ich schob sie auf die Stirn. Die Uhr verschwand, das Display erlosch, nur meine Nervosität tat das leider nicht. Ich meine – da gab es Ratenzahlungen zu leisten. Und ein Renommee zu verlieren. Und Jerome, diesen Stümper, war fort.
Irgendwie lavierte ich mich an der Alten vorbei, die mich mit offenem Mund anstarrte, mal ins Gesicht, dann wieder auf meine Finger, als hätte ich eben ein lustiges, kleines Zauberkunststück gezeigt. Der Schatten der jungen huschte derweil lautlos eine Treppe empor. Es war kühl hier drinnen, gedämpftes Licht, recht angenehm eigentlich, wenn die Möbel nicht alle vom Sperrmüll geklaut worden wären, und zwar wenigstens zweimal, und wenn es diesen säuerlichen Geruch nach Mensch nicht gegeben hätte. Ich wünschte mich zurück in meine eigene Welt, so nüchtern und kunstvoll, oder wenigstens zurück in mein Auto, das mir immer das beruhigende Gefühl vermittelt, ständig mit einer riesigen, unaufhaltsam vorwärtsschreitenden Welt verbunden zu sein – und nicht ein Teilnehmer an einer Expedition in die Vergangenheit, dem die Rückfahrkarte abhanden gekommen ist. Ich meine – hier gab es Glühbirnen! Wenn sie nicht kaputt waren, würden sie wohl auch noch leuchten!
Unten gab es nur diesen einen Raum. Er musste also oben stecken. Ich lugte die Treppe hinauf. „Jerome? JEROME?“ Hoffentlich schwitzte er vor Angst.
Ein paar dunkle Augen sahen mir entgegen. Da lächelte jemand. Es konnte nicht Jerome sein, denn der trug nun wirklich keine Blümchenkleider. Niemand trug heutzutage Blümchenkleider.
„Er ist nicht da. Jerome. Er ist gegangen.“ Die Alte hatte sich endlich erholt. „Nicht da. Bitte geh. Archer.“
Ich knarzte die Treppe hinauf. Sie beschrieb einen viertel Wendung und endete in einem großen, fast leeren Zimmer – zwei Türen führten in weitere Räume. In der Mitte stand ein transportabler Wäscheständer, an dem Strümpfe und weibliche Unterwäsche hingen, und dann gab es da noch diesen Tisch, unter dem einzigen Fenster, so ein billiges Klappding aus billigem Rohr und billigem Press-Spahn. Zu meiner Verblüffung stand darauf ein ziemlich teuerer Rechner, vorletzte Mode, ein Drucker, ein Scanner. Kabel bildeten einen wirren Haufen und rangen mit Datenträgern, Sticks und Bergen von Papier um eine ökologische Nische. Über die Tastatur gebeugt saß die junge Frau, blitzte mich über die Schulter hinweg an und schob mit einer Hüftbewegung ihren Stuhl zurecht, während ihre Finger über die Tastatur rasten und sie leise in ein Mikro flüsterte.
„Jerome. Wo ist er. Ich habe es eilig.“
Sie tippte ein letztes Wort, traf sehr selbstbewusst die Enter-Taste, und drehte sich dann auf ihrem Bürostuhl zu mir um, die Beine übereinandergeschlagen.
„Wie meine Mutter schon sagte, er ist nicht hier.“
„Was heißt nicht hier? Natürlich ist er hier. Er muß hier sein – da steht sein Computer, seine Ausrüstung! Irgendwo da drinnen stecken MEINE DATEN …“ Ich mußte mich beruhigen. Langsam, altes Haus. Schöne Augen hatte sie. „Meine Daten. Ich benötige diesen Stick. Sonst gibt es Ärger, und keine Aufträge mehr von mir. Geh‘ und sag ihm das.“
Ihr Blick war nun sehr belustigt. Sie drehte sich einmal im Kreis, und sah mich dann an, wie man ein kleines, verzogenes Kind ansieht, das zu dumm ist, um auch nur zu ahnen, was es alles nicht weiß.
„Jerome“, sagte sie dann langsam, „lebt schon seit einem Jahr nicht mehr hier. Manchmal kommt er uns besuchen“, fügte sie hinzu, nachdem sie mein fassungsloses Minenspiel ausgekostet hatte: „Ist ausgezogen. Wollte nicht bei Mama und Schwester versauern. Männer sind so.“
Ich schnappte innerlich nach Luft.
„Und er schickt Arbeit. Für mich.“ Eine leichte Geste umfaßte den Tisch. „Ich arbeite für ihn. Er arbeitet für sie, Archer. Archer mit dem Job. Dem einen Job. Nett, sie kennenzulernen, Archer …“ Sie lächelte mich an, doch ehe dieses Lächeln seinen Beitrag zu meiner zugegebenermaßen beträchtlichen Verwirrung entfalten konnte, kühlte ihr Gesichtsausdruck auch schon wieder ab, bis aus Belustigung Ernst wurde, und ich irgendwie Geldscheine rieseln hörte konnte. Natürlich gab es die  nicht mehr. Mein Opa hatte Geldscheine gehabt. Sie jedem zugesteckt. Aber wie auch immer, jedenfalls ging es jetzt ums Geld.
„Archer“, benetzte sie sich die Lippen mit der Zungenspitze. „Mal sehen. Ah, ja. TransDataCorp. Hochrangsicherung. Abgabetermin heute. Sie haben übrigens den Weltbank-Auftrag von letztem Monat noch nicht bezahlt. Jerome ist wirklich ein verdammter Schlamper. Er hat den Stick letzte Woche abgeholt. Codeklasse 1, wie gewünscht. Ganz offiziell von ihnen selbst entwickelt. Strenges zwei-Augen-Prinzip. Genetische Sicherung, nach ihrem Genom. Alles getestet und validiert. Macht 250 Credits.“
Sie drehte sich wieder zu mir um. Ich habe sie wohl angestarrt wie ein Mondkalb, denn plötzlich begann sie wieder zu lächeln. „Wenn sie den Stick wollen, müssen sie zu Jerome. Ich, ich mache hier nur die Arbeit.“

Ich stolperte die Treppe hinab wie ein Schlafwandler. So war das also. Das Konzept des persönlichen Outsourcings nahm wirklich groteske Züge an: Archer an der Spitze der Pyramide, gebildet, mit Zertifikat versehen, Besitzer eines wirklich schicken Appartements und eines Autos, das selbst für ihn als teuer galt. Archer mit den sinnlosen Problemen: Wohin nur in den Urlaub fliegen? Ach, was soll die Frage – suborbital dauert die Reise sowieso nur eine Stunde. Da kann man sich doch ganz spontan entscheiden …
Und dann war da Jerome. Die Jeans immer etwas verschlissen, schlau, aber arm. Kein Zertifikat. Clever, also gab es Arbeit für ihn, von Archer, der mit dem Ruf, ein freischaffender Super-Programmierer zu sein, weiter an Jerome, und zwar steuerfrei.
Und von dort, wie ich heute gelernt hatte, weiter zu Blümchenkleid. Das waren dann die Fische, die ganz unten lebten, von dem, was zu Boden sank, zwischen Müll und alten Solarpaneelen und verwilderten Katzen.
Ich erreichte die Türe. Es war heiß, so ganz ohne Klimaanlage. Außerdem bekam ich es allmählich mit der Angst zu tun. Blümchenkleid wich nicht nur nicht von meiner Seite, nein, ihre Finger legten sich sanft, aber nachdrücklich um meinen Oberarm und dirigierten mich auf die Straße. und dort, als wäre ich eine Handpuppe, tiefer in ein Gewirr schmaler Gässchen. „Ich glaube sie heißt Ellie“, sagte sie dabei im Plauderton.
 Mir stand der Schweiß schon bis zum Hals. „Ellie. Noch so eine Schwester, die für ihn arbeitet?“
„Keine Schwester.“ Sie rieb sich mit der Freien Hand missmutig den Nasenrücken. „Ein Flittchen. Aber sie ist ganz nett, für Jeromes Verhältnisse. Vielleicht ist er bei ihr, vielleicht auch nicht. Aber Ellie könnte wissen, wo er steckt.“ Ihre Finger lenkten mich weiter. Ein alter Mann betrachtete uns, zuckte innerlich mit der Schulter, immer nur einen winzigen Schluck vom Vergessen entfernt. Licht und Schatten behandelten einander wie Erzfeinde, die Reviere säuberlich getrennt, und in den Schatten hausten die Ratten.
„Was tut Ellie denn so?“
„Ellie kauft und verkauft. Alles, was sie wollen.“
Ich sah der Begegnung wirklich gespannt entgegen. Inzwischen waren wir tief in einem Stadtviertel gestrandet, von dessen Existenz ich – und wohl auch so gut wie jeder sonst – noch nie etwas gehört hatte. Die Straßen waren eng, die Autos alt, es roch nach Abgasen. Ohne NaviSys wäre ich vollkommen verloren gewesen, sollte Blümchenkleid plötzlich beschließen, dass ich zu langweilig sei, um ihre Zeit an mich zu verschwenden.
Drei Wendungen des Schicksals später standen wir vor einer Türe. Blümchenkleid klingelte.
„Oh, wir haben Glück. Da kommt sie!“
Was hatte ich erwartet? Ellie trug kein Blümchenkleid. Für so eine schäbige Ecke wirkte Ellie sogar recht adrett, und Blümchenkleid rieb sich wieder die Nase und eröffnete den verbaler Eröffnungstanz zwischen den beiden Frauen. Die Zeit zerrann wie Butter in der Hitze, bis sich Ellie endlich dazu herabließ, auch meine Existenz zur Kenntnis zu nehmen. „Dein Name ist also Archer, eh? Jerome hat von Dir erzählt. Du arbeitest als freier, nicht wahr, und das ziemlich erfolgreich?“
„Ja“, sagte ich.
„Jerome hat mir von einem Projekt erzählt. Für TransData. Großer Fisch, nicht wahr? 1000 für Jerome, sagte er. Frage mich, sagte ich, wie viel Du dabei verdienst. Er wusste es natürlich nicht.“
Ich bemerkte, dass Blümchenkleid zu kichern begonnen hatte. „Nicht genug um mir hier die Füße in den Bauch zu stehen. Wo ist Jerome? Ich will ihn sprechen! Jetzt sofort!“
Die beiden Frauen starrten mich an.
„Ich dachte, es sei klar“, sagte Ellie; Ärger straffte ihre Gestalt. „Dieser Nichtsnutz ist abgehauen! Abgehauen! Wegen einer Anderen, der verdammte Mistkerl. Einer Blonden! Aber was“, tat sie es ab, indem sie die Hand heftig schüttelte, wie um ein klebriges Stück Dreck los zu werden, „interessiert mich noch Jerome? Oder“ – jetzt traf mich ihr Blick wie ein Dolch aus glühendem Eis – „oder Archer, der Ausbeuter? Was interessiert mich das alles? Verschwindet. Sucht meinetwegen unten im alten Werk nach ihm, aber lasst mich in Ruhe!“
Sie rauschte davon wie eine ganze Kohorte von Racheengeln, die man in eine Person gestopft hatte.
Ich schwitzte nun wirklich heftig. Blümchenkleid tätschelte meinen Arm. „Nimm’s nicht so schwer, Archer. Wir werden ihn schon noch finden.“
13:31 Uhr. Ja, ich hoffte, das würden wir tun.
Sie zog mich zurück auf die Straße. Unten in Richtung Hafen gab es noch ältere und noch schäbigere Gebäude, wer hätte das für möglich gehalten.
Ich trottete mit ihr.
„Wie heißt Du eigentlich?“
„Ist das wichtig, Archer?“

To be continued ...

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Atlan Polychora - Die geträumte Welt

Da heute das Manuskript von Achim Mehnert eingetroffen ist, wird es wohl langsam Zeit, die Meldung auch selbst aufzugreifen: Es geht tatsächlich weiter mit Atlan, und zwar mit der Trilogie "Polychora", deren erster Band im Januar 2012 unter dem Titel "Die geträumte Welt" erscheinen wird.

Einiges an Arbeit liegt hinter uns - vorallem hinter Achim -, um aus den ersten Ideenskizzen dieses Buch zu machen, das mir nach dem ersten Blick ins Manuskript zu urteilen wieder sehr gut gefallen wird (und hoffentlich teilen viele, viele Leser meine Meinung!). Der Kulissenbau, von dem ich in einem früheren Posting gesprochen habe, ist also tatsächlich abgeschlossen, das Casting, das aufgrund verschiedener Verzögerungen niemals seinen eigenen Blog-Eintrag erhalten hat, ist umgesetzt, und die Schauspieler sind wieder einmal in Hochform gewesen - darunter alte Bekannte, gaaanz alte Bekannte (obwohl sie das nicht gerne hören wird), und einige noch-nicht-so-alte Bekannte, die nun hoffentlich kräftig aufeinander anstoßen und das Ende der Dreharbeiten feiern, während unser Chef-Lektor Michael Thiesen sich an die Post-Production macht. Es gibt Spezialeffekte, Action, Geheimnisse und Rätsel, und nicht nur ich fiebere dem Moment entgegen, da ich das Endprodukt in Händen halten werde.

Was mich daran erinnert, dass ich nun ganz, ganz schnell das Exposee zu Band 2 fertigstellen muss. Der Inhalt steht, auch den Titel könnte ich verraten (werde es aber nicht tun), nur ein paar Feinheiten bedürfen noch der Korrektur (zumindest sofern die Post-Production nichts Gegenteiliges meldet). Und dann kann Atlan sein Abenteuer in den unendlichen Weiten des Weltalls fortsetzen.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Verrücktes Zeugs der Gegenwart Teil 11: SIE SIND DA!!


Wie der Kommentator des Youtube-Videos es so schön ausdrückt: "What the hell is that?".

Die Hintergrundgeschichte: Gelegentlich lösen sich von der Sonne gewaltige Stürme elektrisch geladener Teilchen und werden in das Sonnensystem hinausgeschleudert. Auf ihrem Weg treffen sie dabei gelegentlich natürlich auch auf Merkur, den sonnennächsten Planeten unseres Sonnensystems. Die Sonne zu beobachten, und die Bahn dieser Teilchen, die etwas über die gewaltigen Prozesse im Sonneninneren verraten können, ist die Aufgabe von Raumsonden wie der amerikanischen STEREO-Sonde der NASA.

Dumm nur, wenn diese hochenergetischen Teilchen unterwegs zum Merkur auf ein gigantisches, Objekt treffen, und dies dabei seiner sorgfältigen und bislang undurchdringlichen Tarnung berauben. Aber es ist klar zu sehen: Ein planetengroßes Objekt, das in diesem Sonnensturm plötzlich aufleuchtet. Ein bislang verborgener Planet - etwa "Nibiru", der die von den Mayas für den 21.12.2012 vorhergesagten Weltuntergang bringen wird? Doch nein - die Struktur ist langgestreckt und zeigt keines der Merkmale eines Planeten. Etwas anderes hat da seine Präsenz offenbart, ein gigantisches Raumschiff von Aliens, vielleicht der Ausgangspunkt einer Invasion? Muss Roland Emmerich etwa bald mit einer Klage wegen der Urheberrechtsverletzung gegenüber kleinen, grünen Männchen (und Mädchen) rechnen? Wegen des Plagiierens ihrer Invasionspläne?

Wenn die moderne Wissenschaft doch nicht manchmal so undurchschaubare Methoden anwenden würde ... Denn wie das amerikanische Internet-Magazin space.com heute berichtete, gibt es natürlich auch eine ganz, ganz andere Erklärung, eine, die weder hysterische Menschen in den Selbstmord, noch Roland Emmerich in den finanziellen Ruin stürzen wird. Hintergrund ist die Tatsache, dass das menschliche Auge eigentlich nicht gerade als das optimale Beobachtungswerkzeug gilt, wenn es um das Weltall geht. Denn obwohl das Auge durchaus empfindlich auf Licht reagiert, ja sogar einzelne, geladene Teilchen als Lichtblitze wahrnehmen kann, so ist es bezüglich des Kontrasts ein evolutionärer Versager. Genau mit Kontrast hat man es aber bei der Beobachtung des Weltalls zu tun: Sonnen sind gleißend helle Objekte, alles andere jedoch tendenziell eher dunkle Erscheinungen (Staub- und Dunkelwolken, winzige Planeten usw.) Daher neigt man bei der Visualisierung stellarer Objekte etwas zur Korrektur des Kontrasts und fügt gerne Aufnahmen in Spektralbereichen hinzu, für die das Auge einfach völlig blind ist. Heraus kommen wunderschöne Aufnahmen leuchtender, schwebender Strukturen, die man in dieser Form mit bloßem Auge niemals zu sehen bekommen wird.

Genau das trifft auch auf die Aufnahmen zu, die hinter der ganzen Aufregung um das getarnte Raumschiff stecken. Hier hat man es mit vergleichsweise dunklen Wolken geladener Teilchen zu tun, die sich vor einem vergleichsweise hellen Hintergrund voller Sterne bewegen - ganz abgesehen natürlich von der Sonne selbst. Wie Russ Howard, Chef der Wissenschaftlergruppe und Nathan Rich, beide am United States Naval Research Laboratory (NRL) tätig, gegenüber space.com erklärten, muss man deshalb den Kontrast der Aufnahmen künstlich anpassen, um die gewünschten Teilchenwolken überhaupt sichtbar zu machen.

Dies tut man, indem man den störend hellen Hintergrund einfach aus dem Bild "herausrechnet". Man nimmt dazu ein Bild des Vortags, geht davon aus, dass alles, was man auf diesem Bild sieht, zum hellen Hintergrund gehört, und subtrahiert dessen Helligkeit aus den neuen Aufnahmen - schon wird die an sich von den Sternen überstrahlte Wolke sichtbar.

Dumm nur, wenn ein Planet im Bild war, wie in diesem Falle eben Merkur. Denn Merkur gehört zwar zum Hintergrund, verändert aber seine Position (er ist kein "Fixstern") - was dazu führt, dass im Bild Artefakte entstehen. Und aus simplen, technischen Gründen haben diese Artefakte nicht einmal annähernd die Form des Planeten, der sie hervorrief, sondern sind eher langgestreckt und unregelmäßig. Wie das "fremden Raumschiffs" in obigem Video eben ...

Unser bisheriges Weltbild ist also ... falsch. Weniger allerdings bezüglich der Existenz fremder Invasoren, als vielmehr bezüglich der Schönheit des Weltraums. Aber Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters.

Dienstag, 29. November 2011

Verrücktes Zeugs der Gegenwart Teil 10: Schon wieder Roboter

Ich glaube, ich werde alt. Oder langsam. Oder phantasielos. Möglicherweise auch alles gleichzeitig. Jedenfalls beginnen die Entwicklungen unserer Zeit mich zu "überollen". Klar, selbstverständlich kann ich mir vorstellen, im Falle eines Erdbebens von kleinen Roboter-Kreaturen gerettet zu werden - zuerst ein paar, die in meiner Vorstellung aussehen wie etwas groß geratene Ameisen (wegen der nicht-Miniaturisierung), gefolgt von größeren, die hinter ihren Raupenkörpern Luftschläuche (hoffentlich angenehm angewärmt; es soll ja in zusammengestürzten Gebäuden manchmal recht kalt werden), Wsaserschläuche und vielleicht sogar Nahrungsschläuche herziehen, bis hin zu einem Typ, den ich mir als eine Art Tintenfisch mit den Fähigkeiten eines Wagenhebers vorstelle, der dem eigentlichen Rettungskommando aus Menschen den Weg bereitet. All diese Dinge - Ameisen, Würmer und Tintenfische aus Karbon, Blech und Silizium bevölkern mittlerweile in Form lustiger Filme über die ersten Prototypen das Internet, und mit einiger Sicherheit bald auch die reale Welt. Auch den Luftraum werden sie erobern und als Bienen oder Schmetterlinge getarnt auf Terroristenjagd gehen, oder welcherart Feind sich das System auch sonst aussucht. Interessant, wenn auch bizarr, fand ich auch den Gedanken, anstelle künstlicher Roboter doch gleich echte Lebewesen zu verwenden, denn die haben in Sachen Energieversorgung und Autonomie und, soweit es Kakerlaken betrifft, auch Haltbarkeit so ihre Vorteile. Gut, hier rühren wir dann doch möglicherweise an Dingen, die man erst einmal lang und breit diskutieren sollte ... Es gibt eine Menge SF, die mögliche Folgen aufgreift, gute SF, auch wenn unsere Eltern das nicht sehen konnten, vor lauter mordenden, künstlich gesteuerten Viechern.
Also habe ich die diversen Versuche verfolgt, Elektroden in das Gangliensystem von Insekten zu implantieren, wonach sich diese mehr oder weniger protestlos der Fernsteuerung durch den Menschen ergaben. Ich muss dabei aber übersehen haben, wie weit die Entwicklung schon gediehen ist. Gedankenkontrolle, drängt sich mir da ein Begriff auf - das ist es, was die amerikanische DARPA mittlerweile bei Käfern erreicht.
Zwei Forscher der Universitäten von Michigan und Utah gingen jetzt noch einen Schritt weiter, den ich, irgendwie, fast tragisch-komisch finde (zumindest handelt es sich um ein Empfindungsgemenge ...) Das Problem ist nämlich, die winzige, implantierte Elektroik mit Strom zu versorgen. Biologischen Systemen genügen da ein paar Tropfen Zuckerwasser oder ein Stückchen von meiner Torte - aber Elektroniken benötigen Batterien, die leider nicht in der passenden Größe verfügbar sind. Macht nix, dachten sich die Forscher Ethem Erkan Aktakka und Hanseup Kim: Da konstruieren wir doch einfach einen Generator, den wir an den Flügelmuskeln anbringen (oder in sie implantieren), und schon erzeugt das arme Viech gleich den Strom für seine eigene ... Versklavung.
Gesagt, getan.

Dienstag, 15. November 2011

Die Furcht des Expokraten vor dem Roman

Schauplatz. Prinzipskizze. Wird wohl ganz anders aussehen
Die Spannung steigt nicht etwa langsam an, nein, sie überfällt mich ganz plötzlich, heftig, und - immerhin ist das schon eine gewisse Verbesserung - nicht mehr ganz so unvorbereitet. Das erste Exposee zur neuen Atlan-Trilogie hat seinen Weg zum Autoren gefunden, und dieser - um genau zu sein, Achim Mehnert aus Köln - arbeitet nun eifrig daran, das, was ich mir da in meinem Stübchen ausgedacht habe, in ein buntes, spannendes und rasantes Science Fiction-Abenteuer umzusetzen.

Ich hege ja so meine Hoffnungen, dass er es wieder einmal schaffen wird, meine Fehler oder Entscheidungen ihn also nicht zu sehr behindert haben; Fallstricke gibt es jedoch viele, ob nun durch die Komplexität des Perry Rhodan-Universums bedingt, oder durch jene schleierhaften, nur intuitiv erfassbaren Mechanismen, die eine Geschichte zu einer guten Geschichte machen (oder das Gegenteil bewirken). Aber eine Garantie gibt es natürlich nicht. Also frage ich mich, meistens nachts um Eins: Wird der Leser nachvollziehen können, was sich in der Figur des XXX abspielt, und welche Gefühle er dabei durchlebt? Kann sich dieser Leser, oder diese Leserin, in die Gruppe von Menschen versetzen, die da so plötzlich abhanden kommt? Bindet YYY die Altleser, während ZZZ auch neuen Lesern einen Ansatzpunkt für ihre Phantasie bietet?

Über dieses und ähnliche Themen habe ich schon des öfteren im Magazin SOL der Perry Rhodan-Fanzentrale laut nachgedacht, aber was leider noch nicht geschehen ist, das war die Ankunft eines Briefes mit dem folgenden Text: "Lieber Herr Roderer! Nachdem ich nun seit einiger Zeit Ihre Bemühungen um Dramaturgie, Szenengestaltung und Figurenentwicklung beobachtet habe, möchte ich Ihnen hiermit die fünf ultimativen Tipps mitteilen, die in diesem Geschäft garantiert zum Erfolg führen. Betrachten Sie es als ein altes, von Generation zu Generation überliefertes Geheimnis, in dessen Genuss sie nach all dem von Ihnen vergossenen Schweiß nun kommen. Erstens ..."
Und mit diesem Gedanken schlafe ich dann irgendwann ein.

Aber Träume sind eben Schäume, und wenn dann abends das Telefon klingelt, oder ich meine Mails abrufe, beschleicht mich immer wieder eine gewisse Beklemmung. Das legt sich erst in dem Moment, wenn ich dann das fertige Buch in den Händen halte. Und meinen Hut vor den Autoren ziehe, die alles ausbügeln, was ich so in die Expos hineingefehlert habe.

Und dann denke ich: Naja, man lernt nie aus, und ran geht's an das nächste Expo.

Verrückts Zeugs der Gegenwart Teil 9: Roboter

Zu diesem Gesellen gibt es wohl kaum etwas zu sagen. Viel Spaß!



Nähere Informationen siehe www.popsci.com

Freitag, 28. Oktober 2011

ATLAN - und die Fragezeichen

Eine Skizze von mir zu Expo 1
Nein, es geht nicht um die Drei ??? - dazu muss man schon auf der Seite des Herrn Montillon vorbeischauen (siehe Blog-Liste unten). Es geht um Atlan. Und eine doch ziemlich lange Durststrecke.

Diese Durststrecke ist nun so gut wie beendet. Heute wurden die Titel der kommenden Trilogie festgezurrt, die mir - und hoffentlich auch den Lesern - richtig gut gefallen (die Veröffentlichung überlasse ich allerdings Sabine Kropp. Wir haben aber Träume im Programm, Fehler und etwas Unendlichkeit). Atlans neue Abenteuer nehmen also langsam Gestalt an. Ich bin gespannt, welche genau das sein wird - daran arbeiten gerade die Herren Achim Mehnert (Roman) und Arndt Drechsler (Titelbild) - womit schon ein paar Fragezeichen abgehakt wären.

In Bälde gibt es sicher erste Details zu erfahren. Einen kleinen Einblick habe ich ja schon in einem früheren Posting gewährt. Es wird um Hitze gehen und um Dunkelheit, um Träume und neue Figuren, aber auch alte Bekannte, mit denen Atlan schon des Öfteren zu tun hatte.